Die European Professional Development Tour wurde 1997 vom Kanadier Wayne Hachey gegründet und vor zehn Jahren offiziell von der European Tour als Qualifikationstour für die Challenge Tour anerkannt. Heute gilt sie als Europas »Sprungbrett ins Profigolf« für den Nachwuchs.
Inhaltsbereich

15 Jahre EPD Tour
Interview mit Rainer Goldrian: Der Geschäftsführer der PGA of Germany leitet seit sieben Jahren auch die EPD Tour
golfjournal.de: Kommendes Jahr wird die EPD Tour 15 Jahre alt. Welche Intention steckte damals hinter der Gründung der Tour, und waren Sie bei der Gründung dabei, oder haben Sie diese sogar mit initiiert?
RAINER GOLDRIAN: Wayne Hachey, ein kanadischer PGA Golfprofessional, der die Tour ins Leben gerufen hat, wollte mit einer Turnierserie in Deutschland Wettkampf- und Vergleichsmöglichkeiten schaffen, die es ambitionierten Spielern erlauben, das eigene Spielvermögen auf professionellem Niveau einzuschätzen. Er wollte vor allem jungen Professionals die Möglichkeit geben zu überprüfen, ob sie für das Leben eines Tour-Pros geeignet sind. An dieser grundsätzlichen Intention hat sich bis heute nicht viel geändert. Wir – in dem Fall die PGA of Germany – waren 1997 bei der Gründung zwar noch nicht in die EPD Tour involviert, haben diese aber grundsätzlich sehr begrüßt.
gj.de: Wie wurde die Tour damals wahrgenommen, und wie hat sie sich in Ihren Augen seither entwickelt?
RG: In den Anfangsjahren war die Tour naturgemäß personell, finanziell und organisatorisch kaum entwickelt. In den 15 Jahren seit Gründung hat sich hier Einiges getan: Die Preisgelder sind von einst 40.000 Mark pro Saison auf heute über 600.000 Euro angewachsen, die Zahl der Turniere ist von anfangs drei bis vier Events in Deutschland auf inzwischen über 20 Veranstaltungen in mehreren Ländern gestiegen. Am ersten Turnier nahmen sieben Spieler teil, heute haben wir bei jedem Turnier zumindest etwa 100 Starter, viele Felder sind je nach Jahreszeit mit 120 oder 156 Spielern voll besetzt. Es gibt Turniere, bei denen wir eine Warteliste führen müssen, und bei denen die Nachfrage größer ist als die Zahl der Startplätze, die wir anbieten können. In diesem Punkt hat sich die EPD Tour enorm entwickelt. Das macht sich natürlich auch bei den Personen im Hintergrund bemerkbar: Wayne Hachey hat seine Turniere anfangs komplett alleine oder mit einem Helfer organisiert und abgewickelt, heute sind mit der Durchführung eines Turniers im Back-Office und am Austragungsort selbst mehr als zehn Personen beschäftigt. Starter, Schiedsrichter, Turnierdirektor, Turnierbüro – all diese Aufgaben sind nur noch mit entsprechender Manpower zu bewältigen.
gj.de: Was hat die Anerkennung der EPD Tour durch die European Tour bewirkt?
RG: Die Anerkennung als offizielle Satellite Tour der European Tour war der Durchbruch für die EPD Tour. Das war der sportliche Ritterschlag, und letztlich war das auch die Voraussetzung dafür, dass sich die EPD Tour überhaupt so positiv entwickeln konnte. Dadurch war für einen jungen Spieler ein lückenloser Aufstieg von der EPD Tour über die Challenge Tour bis zur European Tour möglich, wie ihn ja Martin Kaymer in der Saison 2006/2007 vorgemacht hat. Der sportliche Wert der Tour stieg als offizielle Satellite Tour sofort erheblich, was uns seitens der PGA of Germany letztlich auch dazu veranlasst hat, in die Tour nicht nur 'einzusteigen', sondern sofort die Mehrheit der Gesellschaftsanteile zu erwerben. Nicht zuletzt auch, um sicher zu stellen, dass die EPD Tour möglichst nicht mit unseren nationalen PGA Events kollidiert.
gj.de: Welchen Stellenwert hat die EPD Tour innerhalb des europäischen Profigolfs?
RG: Sie hat sich aus unserer Sicht an die Spitze der vier aktuellen Satellite Touren entwickelt – lediglich was die Preisgelder der einzelnen Turniere betrifft, haben wir hier noch nicht die Top-Position. Aber nicht erst seit dem Aufstieg von Martin Kaymer von der EPD Tour an die Spitze der Golf-Weltrangliste genießt die Tour einen hervorragenden Ruf in ganz Europa, und jedes Jahr wechseln Mitglieder anderer Satellite Touren zu uns. Vor allem für die Qualität der Plätze und der Organisation erhalten wir von den Spielern selbst, und vor allem auch von vielen Spielern, die den direkten Vergleich zu anderen Touren haben, sehr positives Feedback. Unser Ziel war und ist es, den Spielern optimale Bedingungen für Turniergolf auf hohem sportlichem Niveau anbieten zu können. Das gelingt uns inzwischen offenbar sehr gut.
gj.de: Ist die EPD Tour nicht hauptsächlich ein Sprungbrett für den deutschen Nachwuchs?
RG: Natürlich sollen sich alle deutschen Spitzenspieler – ob Amateure oder Professionals – auf der EPD Tour beweisen und im besten Fall den Aufstieg auf die Challenge Tour und weiter auf die European Tour schaffen. Für uns ist aber der internationale Aspekt der Tour und die internationale Ausrichtung sehr wichtig. Gerade weil sich die Spieler hier mit hervorragenden Nachwuchsprofessionals aus ganz Europa messen können, ist auch das sportliche Niveau in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wir sind stolz darauf, auf der EPD Tour Teilnehmer aus über 30 verschiedenen Nationen zu haben.
gj.de: In dieser Saison haben sich vier deutsche Spieler über die EPD Tour für die Challenge Tour 2012 qualifiziert. Ist dieser Aufstieg schon ein Garant dafür, dass sie auch auf der Challenge Tour Erfolg haben werden?
RG: Nach unserer Erfahrung sind die Topspieler der EPD Tour durch den inzwischen sehr starken sportlichen Wettbewerb auf unserer Tour gut vorbereitet, um auch auf der European Challenge Tour erfolgreich zu spielen. Ein Erfolgsgarant ist das jedoch noch nicht. Denn auch das Niveau der Challenge Tour ist parallel zu dem der Satellite Touren in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Hier fand eine enorme Entwicklung statt. Unsere Spitzenspieler gehen mit Sicherheit gut vorbereitet auf die Challenge Tour. Ob sie dort bestehen, hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Sie müssen auf der Challenge Tour weitere Reisen bewältigen und damit verbunden größeren finanziellen Aufwand betreiben. Sie müssen sich gegen zum Teil sehr erfahrene Professionals durchsetzen und mit dem Alltag eines Tourspielers zurechtkommen, der zuweilen auch sehr einsam sein kann. Gerade der EPD Tour bescheinigen die Spieler einen im positivsten Sinne 'familiären' Charakter. Der fällt in der nächsthöheren Liga wohl mehr oder weniger weg; der eine kommt damit zurecht, der andere nicht ...
gj.de: Marcel Siem und Martin Kaymer haben ihre Karriere auf der EPD Tour begonnen. Für diese beiden Spieler scheint es das perfekte Sprungbrett gewesen zu sein.
RG: Insbesondere Martin Kaymers Weg war ganz klassisch: Von der EPD Tour, dem Satellite-Level, auf die Challenge Tour und weiter auf die European Tour. Dabei hat sich Martin stets über die jeweilige Rangliste der Touren für die nächsthöhere Liga qualifiziert. Sein Kontakt zu ehemaligen und aktuellen Spielern der EPD Tour ist nach wie vor sehr gut, ebenso der Kontakt zu den Verantwortlichen der EPD Tour. Wir sind stolz darauf, dass er sich an seine Zeit auf der EPD Tour ganz offenbar gerne zurückerinnert. Das trifft auch auf Marcel Siem zu, wobei der sich den sportlichen Aufstieg über die Qualifying School der European Tour gesichert hat.
gj.de: Mehr Turniere, höhere Preisgelder, höheres Niveau? Wie sehen Sie die Zukunft der EPD Tour, und welche Aufgaben haben Sie dabei?
RG: Wir möchten nicht um jeden Preis noch mehr Turniere anbieten, da wir auch auf die Terminpläne der Spieler und auf deren (Reise-) Budgets achten müssen. Pro Turnier höhere Preisgelder auszahlen zu können, das ist in der Tat eines unserer Ziele. Die Topspieler sollten in jedem Fall in der Lage sein, eine komplette Saison ohne finanziellen Verlust absolvieren zu können. Ein höheres sportliches Niveau lässt sich zunächst einmal von unserer Seite nicht direkt erzwingen. Wobei ist hier feststellen möchte: Das sportliche Niveau ist bereits sehr hoch auf unserer Tour! Wir haben Wettbewerbe, bei denen der Cut rund um Par liegt, versierte Challenge-Tour-Spieler, die bei uns gerne als Gast an den Start gehen, sind am Ende nicht zwingend unter den Top 10 zu finden. Um auf der EPD Tour ganz vorne mitzuspielen, muss ein Professional drei exzellente Runden absolvieren. Gleichwohl wünschen wir uns natürlich noch stärkeren Wettbewerb, um die Spieler bestmöglich für die Aufgaben auf der Challenge Tour und der European Tour vorzubereiten. Und dieser stärkere Wettbewerb wird entstehen, wenn wir die Qualität von Organisation und Administration weiter stetig verbessern und uns in diesen Punkten weiterentwickeln. Es spricht sich herum in Europa, dass die EPD Tour 15 Jahre nach ihrer Gründung ein sehr stimmiges Gesamtpaket anbieten kann. Dies in Kombination mit erhöhten Preisgeldern wird ohne Zweifel noch mehr und noch bessere Spieler zu uns führen. Womit das sportliche Niveau ganz automatisch weiter steigen wird. Die Entwicklung der Tour behutsam, aber zielstrebig voranzutreiben, das sehe ich als wichtigste Aufgabe für mich und mein Team.
Zusätzliche Informationen und Links
12 x 12 für 2012: 144 Gründe, warum dieses Jahr Ihr Golfjahr wird ... Driver-Technologie: Mit Einstellschrauben oder lieber ohne? ... Training: So bekommt der Pitch sein Fett weg ... Marokko: Golf & Jet-Set – das neue Trendziel in Afrikas Norden ... Luke Donald: Der Imperator ... Warm-Up: Gehen Sie wie die Tour-Pros aufgewärmt ans Werk ... Audi Quattro Cup: Das Finale in Mission Hills ... Leserreise: Mit Handball-Legende Erhard Wunderlich zum "Drive&Speed" an die Algarve ... u.v.m.







