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150 Jahre The Open

Der Old Course, Sie & ich

So kommen Sie zu Ihrer Tee-Time auf dem berühmtesten Golfplatz der Welt

Es ist eigentlich ganz einfach und zugleich auch ganz schön schwierig für Sie und mich, auf dem Old Course zu spielen. Das hat mit einigen Besonderheiten zu tun, die es wohl nur auf einem so historischen britischen Platz geben kann. Zunächst einmal: Geld hilft nur begrenzt. Auch Bill Gates und Roman Abramowitsch werden sich keine Startzeit nach Wunsch kaufen können. Das liegt daran, dass der Platz niemandem gehört. Keiner Person und keinem Club – sondern der Stadt St. Andrews und damit gewissermaßen dem Volk. Tatsächlich wird der Old Course jeden Sonntag zu einem öffentlichen Park. Das Golfspielen ist dann untersagt, und Mr. und Mrs. Smith gehen dort joggen oder mit ihren Hunden spazieren.

Wie aber wird der ungeheure Ansturm geregelt? Natürlich äußerst demokratisch. Der Old Course wird – wie fast alle anderen Plätze des Städtchens – von einer Treuhandgesellschaft namens St Andrews Links Trust verwaltet. Wenn Sie spielen wollen, müssen Sie sich in eine kurzfristige und gnadenlose Lotterie begeben. Bis 14 Uhr des Vortages geben Sie Ihren Namen an, und ab 16 Uhr werden die Abschlagzeiten für den nächsten Tag bekanntgegeben (Einzelheiten, Adressen und Telefonnummern siehe rechte Seite). Steht Ihr Nachname auf der Startliste, haben Sie im »Ballot« wortwörtlich das große Los gezogen. Wenn nicht: Viel Glück morgen, Kumpel...

Der zweite Weg ist kostspieliger, aber bombensicher: Der Links Trust arbeitet exklusiv mit einem einzigen Reisebüro zusammen – eine Praxis, die immer wieder für Verstimmung sorgt, aber so ist es nun mal. Wer seinen Trip über die Firma Old Course Experience bucht, bekommt Pakete geschnürt, die eine Startzeit auf dem Old Course garantieren. Allerdings hat diese Garantie ihren Preis. Tipp: In den Monaten November bis März gibt es Sonderangebote – und das Wetter muss nicht schlechter sein als im Sommer.

Der dritte Weg ist herrlich antiquiert. Er erfordert langfristige Planung statt spontaner Lotteriespiele. Im sogenannten »Advanced Reservations«-System können Sie Startzeiten fürs kommende Jahr anfragen. Die freien Termine sind gerade für die Hochsaison begrenzt, die Chancen richten sich stark nach dem jeweiligen Monat. Im Zweifel entscheidet wieder einmal das Los. Aber wer weiß schon, was er im Oktober 2011 vorhat?

Es gibt aber noch einen vierten Weg: Fragen Sie den Starter, ob Sie spielen dürfen. Klingt einfach und ist es auch. Kommen Sie am besten am frühen Morgen zum Starterhäuschen und erkundigen Sie sich, ob sich irgendwo eine Lücke auftut. Falls Sie allein sind, funktioniert es fast immer, so auch bei meiner ersten Runde auf dem Old Course: Ich stieg nach siebenstündiger Anfahrt aus London noch mit Turnschuhen aus dem Auto und fragte artig. Der Starter zeigte auf drei Jungs in meinem Alter, die am Abschlag standen. »Sir, wenn Sie sich beeilen, können Sie mit diesen Gentlemen spielen.« Ich zahlte, vergaß vor Aufregung, meine Schuhe zu wechseln und schulterte mein gigantisches Tour-Bag. Die Jungs begrüßten mich verhalten, denn ich rief beim Händeschütteln aus: »Das ist mein erstes Mal!« Wie sie mir später sagten, dachten sie, es wäre mein erstes Mal überhaupt auf einem Golfplatz. Es ist offenbar gar nicht so selten, dass reiche Trottel mit nur rudimentären Golfkenntnissen sich eine Startzeit erhaschen, um mit St. Andrews angeben zu können. So wie reiche Trottel ja auch den edelsten Barolo trinken – aber wegen der Hitze mit Eiswürfeln.

Das Schöne an St. Andrews: Das erste Fairway ist 100 Meter breit, da kann Nervosität praktisch nicht aufkommen. Man kann Vollgas geben und liegt immer im kurzen Gras. Und: Fast immer hilft ein kräftiger Rückenwind. Mein erster Drive muss fast 300 Meter geflogen und gerollt sein, was bei diesen Bedingungen und dem betonharten Boden zwar keine große Kunst war, aber meine drei Flight-Partner, Studenten aus St. Andrews, atmeten doch hörbar durch.

Apropos: Einwohner von St. Andrews können alle Plätze spielen, so oft sie wollen, für ein paar hundert Pfund im Jahr (je nach sozialem Status – Studenten und Rentner zahlen weniger).

Der Old Course selbst hat weder ein Clubhaus noch eine Driving-Range. Ein winziges Putting-Grün neben dem Starterhäuschen muss genügen. Ohnehin gilt exzessives Trainieren in Schottland als Schummeln. Umziehen kann man sich im Clubhaus am New Course. Dort trinkt sich auch das Bier nach der Runde am besten – im ersten Stock, mit Blick auf die Nordsee und die Spielbahnen.

Vier Wege auf den Old Course

Möglichkeit 1: Startzeiten-Lotterie
Geben Sie telefonisch unter 0044/1334/46 66 66 oder persönlich am besten im Clubhaus vom New Course bis 14 Uhr Ihren Namen, Ihre Spielpartner, Ihren Heimatclub und Ihr Handicap an (Clubausweis bereithalten). Das bringt Sie in die Lotterie für eine Startzeit am nächsten Tag. Die Ergebnisse des »Ballots« werden ab 16 Uhr auf der Webseite standrews.org.uk veröffentlicht.

Möglichkeit 2: Old Course Experience
Das Reisebüro bietet Pakete von zwei bis fünf Nächten in St. Andrews an. Preisbeispiel: drei Nächte im Rusacks Hotel, Tee-Times für den Old Course, den New Course und Kingsbarns oder Carnoustie ohne Anreise ab 1.715 Pfund, in der Nebensaison erheblich billiger. Weitere Informationen: oldcourse-experience.com

Möglichkeit 3:
Schon jetzt für 2011 buchen
Einzelheiten des »Advanced Reservations«-Systems unter standrews.org.uk oder direkt per E-Mail anfragen unter reservations@standrews.org.uk

Möglichkeit 4: Beim Starter fragen
Sie sollten allein sein, dann funktioniert es fast immer, etwas Geduld vorausgesetzt. Schon zu zweit sinken die Chancen rapide. Haben Sie Ihren Handicap-Nachweis und das Greenfee passend zur Hand.

Die Handicap-Beschränkung ist -24 (Herren) bzw. -36 (Damen). Das Greenfee beträgt von April bis Oktober 130 Pfund, von November bis März zwischen 64 und 91 Pfund.

Achtung: Auf dem Old Course findet nicht nur ein bis zwei Mal pro Jahrzehnt die British Open statt, sondern auch in jedem Jahr die Dunhill Links Championship sowie andere bedeutende Turniere; der Platz ist also mehrere Wochen im Jahr für die Öffentlichkeit gesperrt. Erkundigen Sie sich rechtzeitig – am besten unter standrews.org.uk


Zusätzliche Informationen und Links

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