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The Open Championship:

Daly: Läuterung einer Skandalnudel

Der Champion von 1995 feiert an der Stätte seines größten Triumphs ein kleines Comeback – McIlroy stellt Major-Rekord ein – Woods mit 67er-Auftakt

Von Katrin Baumann aus St. Andrews

 

Wo John Daly auftaucht, ist es in der Regel alles andere als langweilig. Im Gegenteil, im Leben einer Golfreporterin gibt es wenig, was mitunter amüsanter ist als eine Pressekonferenz mit dem Unikum des amerikanischen Golfs: Der mittlerweile 44-Jährige zweimalige Major-Sieger verfügt über all die Ecken und Kanten, die man bei den mitunter ein wenig stromlinienförmig wirkenden Stars von heute so manches Mal vermisst.

 

Entsprechend drängten sich die Reporter im Interviewraum des Pressezentrums von St. Andrews, als der blonde Longhitter nach einer hervorragenden 66 zum Gespräch gebeten wurde. Und auch wenn das Leben des Mannes mit den diversen Alkoholentziehungskuren, Scheidungen und Selbstmordversuchen etwas ruhiger geworden und nicht mehr ganz so der Fahrt auf einer halsbrecherischen Achterbahn gleicht, ist doch eines klar: Daly ist immer für einen Scherz zu haben.

 

»The Mild Thing«

Jetzt, wo man ihn nicht mehr »The Wild Thing« nennen könne, welchen Spitznamen schlage er da vor, wollte zum Beispiel ein Reporter wissen – und Daly entgegnete prompt: »Wie wäre es mit ‚The Mild Thing‘?« Und angesprochen auf seine grell gemusterte Hose, meinte er: »Sie hat den Vorteil, dass man sich im Dunkeln umziehen kann – zu dieser Hose passt jedes Hemd.«

 

Doch keine Frage, Daly ist ruhiger geworden – und dünner: Sein Bauchumfang scheint nach einer Verkleinerung des Magens nur noch etwa die Hälfte zu messen im Vergleich zu früher. Er trinke nicht mehr, erzählte der St. Andrews-Sieger von 1995, der außerdem die PGA Championship 1991 hat gewinnen können, aber er halte auch keine Diät: »Ich kann nur all das schlechte Zeug nicht mehr essen, wie ich es früher getan habe.« Am meisten vermisse er die Vollmilch, die er vor der Operation täglich literweise in sich hineingegossen habe – weil die »großartig war gegen den Kater«. Seit der Operation nun habe er allerdings keinen einzigen Drink mehr angerührt.

 

»Dieser Ort gibt mir Frieden«

 

Die Menschen lieben ihn noch immer, gerade auch wegen all der Skandale und gerade in St. Andrews, dem Schauplatz seines allergrößten Sieges. »Daly for President«, war auf einem Spruchband zu lesen, mit dem ein junger Fan seinen Flight begleitete. »Daly – die lebende Legende«, stand auf einem anderen, »Daly ist der Mann, der die Sportwelt am meisten elektrifiziert« auf einem dritten. Scharen von Fans begleiteten seinen Flight, »Go John, go«-Rufen schallte aus ungezählten Kehlen über die Anlage.

 

Und Daly liebt St. Andrews: »Dieser Ort gibt mir Frieden«, sagt er. »Ich erinnere mich gut, dass ich 1995, als ich hierher kam, schrecklich spielte. Und trotzdem habe ich sofort gemerkt, dass ich diesen Ort liebe.« So sei das wohl mit dem Old Course: Entweder man liebe ihn absolut oder man hasse ihn komplett.

 

McIlroy: Beinahe wäre es die 62 geworden

Den Rekord für die beste Major-Runde eingestellt hat unterdessen Rory McIlroy mit einer grandiosen 63. So richtig ins Rollen kam der 21-jährige mit einem Eagle an der Neun, als er sensationell gleich mit dem zweiten Schlag einlochte. Auf den zweiten Neun nahm der extrem selbstsicher und locker auftretende Youngster den Old Course dann so richtig auseinander, gelangen ihm doch nicht weniger als sechs Birdies, ohne dass er ein einziges Bogey hätte hinnehmen müssen. Er habe einfach versucht, sein Score immer noch mehr nach unten zu treiben und keinerlei negative Gedanken zuzulassen, erzählte McIlroy hinterher: »Es war großartig, in diesen Rhythmus zu kommen, in diesen Flow.«

 

An der 17 vergab der Sieger der diesjährigen Quail Hollow Championship sogar eine Chance zum Birdie und damit zur 62 – ein Score, das bei einem Major noch nie einem Spieler gelungen war. So wurde McIlroy der 22. Spieler in der Major-Geschichte mit einer 63. Der letzte, dem dieses Kunststück gelang, war Tiger Woods bei der PGA Championship 2007.

 

Woods: Zufrieden mit dem neuen Putter

Dieser brachte an einem windstillen Vormittag eine starke 67 ins Clubhaus. Die einzigen Fehler unterliefen Woods an der 17, dem berühmten Road Hole, als er einen Par-Putt aus einem Meter am Ziel vorbeischob, und an der 18, wo er den Ball um ein Haar mit dem Driver aufs Grün befördert hatte und dann doch lediglich das Par hatte hinnehmen müssen.

 

Mit dem neuen Nike-Putter sei er »sehr zufrieden«, sagte Woods: »Er beschleunigt den Ball stärker, und diese Grüns hier sind die langsamsten, die ich in einer langen Zeit gesehen habe, gerade mit all der Feuchtigkeit, die sie aufgesogen haben.« Bei den moderaten Bedingungen heute sei ein guter Start mit einem niedrigen Score Pflicht gewesen: »Davon musste man profitieren.« Insgesamt werde sein Spiel von Woche zu Woche besser: »Mir gelingen Schläge, die mir lange nicht mehr gelungen sind.«

 

Woods hat seit den US Open 2008 kein Major und seit November 2009 kein reguläres Turnier mehr gewonnen. Beim Masters und bei den US Open landete er jeweils auf Rang vier.

 


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