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The Masters Tournament

Chairman, Blockhütten und 200 Sit-Ups

Am Vorabend des 76. Masters präsentieren sich die Favoriten selbstbewusst und vermeintlich locker

Von Katrin Baumann aus Augusta

 

Der Schlag, der am Donnerstag mit der größten Spannung erwartet wird, dürfte Rory McIlroys Teeshot an der Zehn sein. Kann der Nordire das Desaster vom letzten Jahr wegstecken, als er den Ball an der Par-4-Bahn in die Pampa bugsierte und ein Triple-Bogey kassierte? 

Zur Erinnerung: Mit vier Schlägen Vorsprung war er auf die Runde gegangen, an der Zehn war die Führung schon auf einen Zähler geschmolzen – am Ende stand eine katastrophale 80 zu Buche und Rang 15. „Hoffentlich werde ich die Blockhütten da draußen in diesem Jahr nicht wieder aus der Nähe sehen“, witzelte der US-Open-Champion bei seiner Pressekonferenz. „Er bringt ja jetzt viel mehr Erfahrung mit als noch im letzten Jahr. Trotzdem sollte er im Training so viele Bälle wie möglich vom zehnten Tee schlagen“, riet Colin Montgomerie dem Weltranglistenzweiten.

Das einzige, was die Reporter bei der traditionell am Mittwochmorgen stattfindenden Pressekonferenz des Augusta-Chairmans interessiert, ist – genau, das Frauenthema. Billy Payne jedoch lässt sich erwartungsgemäß zu keiner Antwort auf die brennende Frage hinreißen, ob Virginia Rometty, seit kurzem CEO bei IBM, denn nun schon Mitglied sei im exklusivsten Herrenclub der Welt. Stattdessen sagt er den in seiner Umständlichkeit bemerkenswerten Satz: „Wie es schon immer der Fall war, wenn diese Frage aufgetaucht ist, sind alle Angelegenheiten, die die Mitgliedschaft betreffen, Thema privater Überlegungen der Mitglieder.“ Und hängt an: „Dieses Statement bleibt angemessen und das bleibt mein Statement.“ Warum er nicht wenigstens einen Kommentar abgeben wolle? Dafür gebe es zwei Gründe, so Payne: “Nummer eins: Wir sprechen nicht über unsere privaten Überlegungen. Nummer zwei: Wir sprechen insbesondere nicht über sie, wenn ein mit Namen genannter Kandidat zur Debatte steht.“ Ob Rometty dieser „Kandidat“ sei, erwähnt er nicht.

Tiger Woods war bei seiner Pressekonferenz am Dienstag ganz der Alte. „Meine Drives sind wieder viel gerader, mein Eisenspiel wird immer besser – alles läuft in die richtige Richtung“, erzählte der 14-malige Major- und viermalige Masters-Champion und zeigte sein strahlendstes Lachen. „Ich bin aufgeregt zu spielen und freue mich richtig, da rauszugehen.“ Seine Erfahrung sei Gold wert in Augusta. „Ich weiß, wie man diesen Platz spielt. Das ist jetzt mein 18. Jahr hier, ich habe dieses Turnier also mein halbes Leben gespielt.“ In den letzten beiden Jahren verließ Woods, der vor zwei Wochen in Bay Hill zum ersten Mal nach zweieinhalb sieglosen Jahren wieder ein US-Turnier hat gewinnen können, den Augusta National jeweils als Vierter, obwohl sein Schwung alles andere als stabil war. Was also wird in diesem Jahr erst möglich sein?

Doch auch Phil Mickelson präsentiert sich nach seinem beeindruckenden Sieg in Pebble Beach in bester Verfassung. „Das ist meine Lieblingswoche überhaupt und ich genieße jede Minute hier“, meinte der dreimalige Masters-Sieger im Anschluss an die Woods-PK. Dass Woods und McIlroy als die beiden Topfavriten gelten, scheint ihn dabei nicht zu stören: „Kein Problem damit. Ich bin, wo ich bin, und damit geht’s mir bestens“, so der selbstbewusste 41-Jährige.

 

Gary Player, „the Black Knight“, stößt in diesem Jahr zu Arnold Palmer und Jack Nicklaus ins Trio der „Honorary Starters“, die das Turnier um punkt 7.40 Uhr mit einem Ehrenschlag am ersten Tee eröffnen und um die der Club traditionell einen großen Rummel macht. Natürlich: Die Drei haben zusammen 13 Masters-Titel gewonnen (Nicklaus sechs, Palmer vier, Player drei) und insgesamt 34 Majors (18, sieben und neun). So spannend ist es aber eigentlich dann doch nicht, drei älteren Herren dabei zuzuschauen, wie sie doch recht zittrig etwas vollführen, was mit ihrem einstigen Schwung nur noch wenig zu tun hat. Jedenfalls nicht so spannend, dass es sich lohnen würde, sich im Morgengrauen über die Washington Road zu quälen, um sich vor dem großen Zuschaueransturm rechtzeitig einen Platz am Rand des ersten Fairways zu sichern. Dann doch lieber ein gemütliches Frühstück im Clubhaus, das seine Preise noch immer nicht erhöht hat. Wobei: Player ist mit seinen 76 Jahren schon erstaunlich fit – 200 Situps soll der Südafrikaner noch immer täglich abspulen.

 

Mittagsgeplänkel auf dem Putting-Grün: Hunter Mahan, der als einziger Spieler in diesem Jahr schon zwei Turniere der US-Tour gewinnen konnte und nach seinem Sieg vor ein paar Tagen in Houston ebenfalls vollgepumpt mit Selbstvertrauen nach Augusta reiste, schlägt kaum einen Putt, der nicht von bewundernden Fan-Kommentaren begleitet wird. Zach Johnson hingegen, immerhin Champion hier vor gerade einmal fünf Jahren, beugt sich beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit über seinen Ball.

 

Wegen eines Gewitters wird der Par-3-Contest am Mittwochnachmittag vorzeitig abgebrochen. Padraig Harrington und Jonathan Byrd, die ihre neun Löcher bereits beendet haben, werden mit einem Score von fünf unter Par zu gemeinsamen Siegern erklärt. Kein gutes Omen: Noch nie in der 75-jährigen Masters-Geschichte hat ein Par-3-Gewinner am Ende auch das Green Jacket geholt.

 

Eine Fußnote zum Thema Blumen: Azaleen blühen in diesem Jahr keine im Augusta National. Wegen der großen Hitze und der vielen Regenfälle in den letzten Wochen sind sie schon verblüht.

 

Nein, John Daly hat seinen Souvenir-Stand an der Washington Road noch nicht aufgebaut.