„Championship Sunday“ in Augusta: Notizen vom Tag der Entscheidung und vom Sieg von Gary Bubba Watson junior aus Bagdad, Florida, im Stechen über Louis Oosthuizen
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Bubba Watson gewinnt das 76. Masters
Von Katrin Baumann aus Augusta
Nick Faldo sagte heute Morgen auf dem “Golf Channel”, Woods fehle es schlichtweg am Glauben an sein Spiel: Deshalb schaffe er es nicht, das, was er auf der Range übe, auf den Platz zu übertragen.
Kleiner Nachtrag zum Samstag: Rory McIlroy und Sergio Garcia lagen sich im „Amen Corner“ in den Armen, nachdem beiden an der Zwölf endlich ein Birdie geglückt war. Geteiltes Leid: McIlroy spielte eine 77, Garcia eine 75. Schöne Geste.
Faldo sagte auch, dass er nicht überrascht wäre, wenn Louis Oosthuizen heute seinen zweiten Major-Titel gewinnen würde. Eines fällt tatsächlich auf: Der Mann mit der Zahnlücke, der wie die Comicfigur „Shrek“ immer ein wenig mit dem Kopf wackelt, wenn er etwas erzählt ist, ist vollkommen unaufgeregt, obwohl er mit gerade einmal zwei Schlägen Rückstand in den Masters-Sonntag startet. Aus unerklärlichen Gründen wurde er hier ja nicht einmal als “dark horse” gehandelt. Bei seiner Pressekonferenz am Freitagnachmittag zum Beispiel, als der St.-Andrews-Sieger von 2010 immerhin „leader in the clubhouse“ war, waren die Kollegen im Raum praktisch an einer Hand abzuzählen.

„Shrek“ glückt an der Zwei der Schlag des Turniers: „Double Birdie“ oder Albatros! Aus 253 Yards trifft er mit einem Eisen vier das Grün, wo der Ball von links nach rechts rollt – und mitten ins Loch fällt. Es ist der erst vierte Albatros in der Masters-Geschichte, der erste an Loch zwei. Die Vorgänger, weil Geschichte hier alles ist: Gene Sarazen 1935 an der 15, Bruce Devlin 1967 an der Acht und Jeff Maggert 1994 an der 13.
Was für ein herrlicher Masters-Sonntag: Perfektes Wetter mit tiefblauem Himmel und Temperaturen um die 25 Grad, eine Ausgangslage, wie sie spannender kaum sein könnte mit einem Dutzend Spieler, die Chancen auf das Grüne Jacket haben, und mit Mickelson ein Publikumsliebling ganz vorne mit dabei. Kein Wunder, dass die Stimmung unter den „Patrons“ nicht besser sein könnte: Das Gejohle aus dem „Amen Corner“ ist beinahe bis hinauf auf die Pressetribüne an der 18 zu hören.
Doch der Publikumsliebling patzt. An der Vier, einem Par 3, überpowert er das Grün, der Ball prallt von der Tribüne ins Gebüsch. Dann trifft Mickelson mal wieder eine Mickelson-Entscheidung: Mit rechts versucht der Linkshänder, den Ball durch eine kleine Lücke zu bugsieren – vergebens. Auch mit dem nächsten Schlag, wieder mit rechts, geht daneben. Resultat letztlich: Bunker und Triple-Bogey. Mickelson fällt von acht unter auf fünf unter zurück und müsste nun schon wirklich Gas geben, wenn er seiner Favoritenrolle doch noch gerecht werden will.

Woods gelingt an der 18 immerhin noch ein Birdie zum Abschluss. Die 74 aber ist eine erneute Enttäuschung. „Das Frustrierendste ist, dass ich genau weiß, was ich tun müsste, und es nicht tue. Ich gehe von der Range und verliere das Vertrauen“, sagt er. Seit 2005 hat der Superstar der Superstars Augusta nicht mehr gewonnen, seit Sommer 2008 überhaupt keinen Major-Titel mehr geholt.
Oosthuizen: Wie der Mann hier Loch für Loch abspult, ohne jegliche Nerven zu zeigen, ist beeindruckend. Der schwierige Par-Putt an der 14 zum Beispiel – er locht ihn mit einer solch trockenen Selbstverständlichkeit, als würde er sich die Zähne putzen.

Lee Westwood kommt mit einer 68 und acht unter als derzeitiger Leader ins Clubhaus. Er wird den Titel des „besten Spielers ohne Major“ auch diesmal nicht loswerden.
Ohrenbetäubender Krach auf der Anlage: Bubba Watson locht nach Birdies an der 13, der 14 und der 15 auch an der 16 zum Birdie und schließt mit zehn unter zu Flightpartner Oosthuizen auf. Was für ein Lauf! Die Fans toben. Championship Sunday at the Masters.
Oosthuizen und Watson spielen unter größtmöglichem Druck groß auf. Nach sehr soliden Pars an der 17 treffen beide auch an der 18 sicher aufs Fairway. Lachend und federnden Schrittes marschieren sie Seite an Seite den Hügel hoch, tauschen sogar ein paar Worte aus. Dem Linkshänder Watson zumindest ist die Nervosität insofern anzumerken, als er nicht aufhören kann, sich am Shirt zu zupfen, die Hose glattzuziehen, sich mit der Hand übers Gesicht zu fahren. „Shrek“ aber bleibt, zumindest äußerlich, cool.
Doch sein folgendes Eisen gerät zu lang, Watson liegt deutlich näher an der Fahne. Weiter geht’s: Oosthuizens Putt rollt vorbei am Loch, nun sind es etwa anderthalb Meter zur Fahne. Aber erstmal hat Watson die Birdie-Chance – knapp vorbei, erst der anschließende Putt sitzt. Jetzt muss Oosthuizen treffen, sonst ist Watson Masters-Champion 2012 . . . Der Ball rollt, kullert um die Lochkante – und fällt!

Mickelson verpasst unterdessen seinen Birdie-Putt an der 17 und geht mit zwei Schlägen Rückstand auf Watson und Oosthuizen auf die 18. Nun müssten schon die Götter mitmischen, damit er es noch ins Stechen schaffen könnte – sie tun es nicht. Im TV-Interview sagt er, dass er trotz des Triple-Bogeys ja noch haufenweise Chancen und letztlich viel Spaß auf dem Platz gehabt habe.
Spaß hin oder her, das Stechen bestreiten Oosthuizen und Watson. Nochmal die 18, Par 4, 465 Yards, „Holly“. „Bubba, Bubba“, brüllen die Fans, als die zwei sich durch den Zuschauertunnel hindurch ans Tee kämpfen.
Beide treffen beide das Fairway, beide spielen tolle Annäherungsschläge. Watson ist einen guten Meter näher an der Fahne, kratzt sich am Kopf und zupft sich wieder die ganze Zeit am T-Shirt, als er die Bahn hochläuft. Dann der Putt von Oosthuizen, fünf Meter Abstand zur Fahne: Der Ball rollt Richtung Loch, rollt Richtung Loch, berührt die Lochkante – und kullert weiter. Putt Watson, zum Titel: Der Ball rollt – deutlich am Loch vorbei.
Weiter geht’s zu Bahn zehn, „Camelia“, 495 Yards, Par 4. Watson verzieht den Ball in die Bäume. Was macht Oosthuizen? Er verpatzt den Schlag ebenso, das kleine verflixte Hartgummiding landet in den Piniennadeln zwischen den Baumstämmen. Sein nächster Schlag kommt etwa zwei Meter vor dem Grün zum Liegen. Watson schiebt derweil mit dem Fuß die Blätter beiseite – und spielt einen brillanten Schlag mitten aufs Grün. Vier Meter zur Fahne – das könnte der Titel sein. Oosthuizen reibt sich die Augen und beißt sich auf die Lippen, Watson läuft federnd zum Grün und winkt etwas linkisch mit dem Putter. Oosthuizen nächster Ball ist wieder zu lang, gut fünf Meter bleiben zur Fahne. Der Par-Putt geht ganz knapp vorbei. Nun bleiben Watson zwei Putts, um den Titel zu holen. Der erste geht noch knapp vorbei, doch nun sind es nur noch Zentimeter zum Loch – und der nächste Putt sitzt.
Sofort bricht der 33-Jährige in Tränen aus, seine Schultern wippen auf und ab, als er den Caddie umarmt, und als schließlich auch noch die Mutter ihn in die Arme nimmt, weint der 33-Jährige wie ein kleiner Junge. Gary Bubba Watson junior aus Bagdad, Florida, hat das 76. Masters Tournament gewonnen.







