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European Tour

Birdie-Kaymer ist zurück

Am Finaltag der HSBC Champions räumte Martin Kaymer das Feld von hinten auf: Nach einem Birdie-Feuerwerk auf den letzten neun Bahnen, krallte er sich bei 20 unter Par den Titel. 

Es ist ein Weilchen her, dass Martin Kaymers Name auf Rang eins des Leaderboards nach vier beendeten Spieltagen stand. Medien berichten gar von einem „Comeback“ des 26-Jährigen an diesem Wochenende in China. Ob er jeh „weg“ gewesen ist, bleibt Ansichtssache, aber dass es mal wieder Zeit für einen Titel wurde, hatte sich wohl keiner mehr gedacht, als er selbst. Anders ist Kaymers phänomenale Leistung auf den letzten neun Bahnen des Sheshan International Golfclubs nicht zu erklären.

 

Birdie-Feuerwerk

 

Auf den ersten sechs Bahnen spielte der Deutsche noch solide, wenn auch verhaltene Par-Ergebnisse. Auf Bahn 7 dann das erste Zeichen eines Angriffs auf die Top-Platzierung. Kaymer chippte aus einem Grünbunker ein zum ersten Birdie. Jedoch trennen ihn zu diesem Zeitpunkt weiterhin fünf Zähler vom Führenden, dem Schweden Fredrik Jacobson. Für Kaymer dennoch ein Schlüsselmoment - danach flutschte es nur so: „Ich habe ein wenig langsam begonnen, dann den Bunkerschlag zum Birdie gelocht und später kaum einen Schlag verloren.“

Das kann man wohl sagen. Kaymers Sternstunden nahmen ihren Lauf: Birdie an der acht und unglaubliche vier weitere auf der 10,11,12 und 13. Nach einer Par-Pause auf Bahn 14 ging das Birdie Feuerwerk mit drei weiteren über die letzten vier Bahnen weiter. Neun unglaubliche Birdies zu 63 Zählern und 20 unter Par waren dann nicht nur ein knapper Sieg vor Jacobson, sondern einer mit ganzen drei Zählern Vorsprung. Kaymer wollte es einfach wissen.

 

"Es war ein wenig seltsam"

 

Für den 26-Jährigen war es der erste Sieg seit seinem Triumph im Januar in Abu Dhabi. In der Weltrangliste rückte er damals wenig später auf die Spitzenposition vor. Die Erklärung, warum es acht Monate gedauert hat, bis er wieder eine Trophäe in den Händen halten darf, lieferte Kaymer nach der Runde selbst: „Die Saison verlief okay, aber erst jetzt ist sie gut. Ich habe fabelhaftes Golf in Abu Dhabi gespielt, aber als ich dann die Nummer eins der Welt im Februar nach den World Golf Championships geworden bin, hat sich nicht nur mein Leben, sondern auch das Leben der Menschen, die mit mir arbeiten und das meiner Familie ein bisschen verändert.“

Eine Veränderung, an die sich der Rheinländer offensichtlich erst gewöhnen musste: „Es war manchmal ein wenig seltsam, weil ich nicht daran gewöhnt war im Mittelpunkt zu stehen. Es hat ein wenig gedauert damit klar zu kommen. Aber jetzt weiß ich, was auf mich zukommt, falls es hoffentlich noch einmal passiert.“

 

In der Weltrangliste steigt Kaymer nun zwei Plätze bis auf Rang vier nach oben. Der Abstand zum Erstplatzierten, Luke Donald, ist in dieser Kategorie aber immer noch uneinholbar. Anders sieht es allerdings in Europa aus: “Nur“ 1,026 Millionen Euro hat der Brite auf dem europäischen Kontinent auf Kaymer Vorsprung. Ein Betrag, der bei den noch folgenden, hoch dotierten Events, der Singapore Open in der kommenden Woche, und dem Saisonfinale, der Dubai World Champioship, durchaus einzuholen ist.

 

Aber selbst wenn ihm das nicht gelingen sollte, hat Kaymer in dieser Woche wieder mal bewiesen, dass er zu den ganz Großen gehört: Er ist der erste Deutsche, der bei einem WGC-Event triumphieren konnte. Mit der niedrigsten Finalrunde, die je bei diesem Event erzielt wurde. Und nicht nur bei diesem Turnier, auch in der gesamten Saison hatte kein Spieler auf der europäischen Tour auf der vierten Runde bisher einen so niedrigen Score gespielt. Noch dazu hatte es keiner geschafft, im Finale unglaubliche fünf Zähler Rückstand aufzuholen.

 

Kaymer kann nun ganze zehn Siege bei 120 gespielten Turnieren auf der European Tour präsentieren. Hat dabei mehr als zwölf Millionen Dollar verdient. Und dass, im Alter von nur 26 Jahren und 313 Tagen. Das können bisher nur Seve Ballesteros, Tiger Woods, José Maria Olazábal, Nick Faldo und Sandy Lyle in noch jüngeren Jahren übertrumpfen. Einfach ein ganz Großer. 

 


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