Unser Autor plant den Umzug nach Kanada und verzweifelt an der Kleinfingerseite
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Maiwalds Mission - Folge 49
Von Stefan Maiwald.
Ich berichtete kürzlich, dass mein Vorhaben, meine Töchter zu Golfverrückten zu erziehen, nach hinten losgegangen ist. Nun sind sie, 8 und 4 Jahre alt, jeden Samstag und jeden Sonntag mit mir auf dem Golfplatz und lassen mir keine ruhige Minute. Sie wollen mindestens drei Eimer schlagen, und ein normaler Vater wäre sehr stolz auf sie. Ich bin aber kein normaler Vater, denn ich würde gern ungestört an der Ulnarbeugung meines linken Handgelenks während des Treffmoments arbeiten, ohne dass mir eines meiner Geschöpfe zwischen den Beinen herumläuft.
(Ulnarbeugung für jene Leser, die es wirklich interessiert: Bei den besten Spielern der Welt machen die Hände komische Sachen. Unter anderem beugt sich die linke Hand ziemlich genau im Treffmoment nach unten über die Kleinfingerseite. Das soll zusätzlich Dampf geben. Für uns Normalsterbliche ist es gar nicht so einfach, diese Bewegung genau in der Hundertstelsekunde hinzukriegen, in welcher der Schlägerkopf den Ball berührt, aber ich gebe noch nicht auf. Jedenfalls so lange nicht, bis mir die nächste Spinnerei eingefallen ist.)
Ob mit oder ohne Ulnarbeugung, für ein Kleinkind hätte ein Schläger wohl noch genügend Speed, um ernsthaft weh zu tun, daher bin ich nie so ganz bei der Sache, wenn meine Töchter mit mir auf der Range stehen, und male mir aus, wie ich mit 130 Sachen über die Landstraßen ins 60 Kilometer entfernte Krankenhaus düsen muss.
Doch ich bemühe mich, die positiven Seiten der Golfleidenschaft zu erkennen. So bekommt meine Vierjährige kostenlose Jetons. Sie schlägt keinen Ball weiter als 20 Meter, also brauche ich nur mal kurz zwei Schritte auf die Range zu gehen und habe ganz fix einen randvollen Eimer für die eigenen Bedürfnisse zusammengesammelt. Das Beste ist aber, dass in der Nähe der Range eine Schaukel steht, und bevor wir zur Schaukel kommen, muss ich erst übers Internet plaudern. Denn während ich eigentlich Geschichten für Printmedien schreiben soll, surfe ich immer mal wieder im Internet, dieser großen Zeitvernichtungsapparatur, nach Schwungtipps herum. Mittlerweile gibt es zu jedem Golfproblem einen Lehrer mit einem Drill, der einen aus dem Bildschirm anlächelt. Diese Internet-Videos, die in ihrer Qualität an Indianerfilme aus der DDR erinnern, sind wie Süßigkeiten. Man weiß, dass sie schädlich sind, stopft aber dennoch immer mehr in sich hinein, als man eigentlich wollte. Und der kanadische Golflehrer Shawn Clement ist die Entsprechung von Milka Vollmilch-Nuss. Er hat einen eigenen Youtube-Kanal mit mehr als 80 Lehrvideos, alle großartig, lehrreich, informativ und am Ende wahrscheinlich schädlich, denn als unbedarfter Schüler pickt man sich zu ziemlicher Sicherheit genau den falschen Tipp für das eigene Schwungmuster aus. Und dann gibt es Ebenenkaries.
Kanadische Pros scheinen gerade die große Mode zu sein – siehe Tigers neuen Coach Sean Foley – und Clement, der rechts- und linkshändig Scratch spielt, hat eine Lieblingsanalogie, die er in sehr vielen seiner Videos anbringt: Man stelle sich ein Kind auf einer Schaukel vor. Der Vater, der das Kind anschubst, wird es nicht am höchsten Punkt anschubsen, sondern erst dann, wenn es bereits auf dem Weg nach unten ist. Diese elegante, fließende Bewegung möge man in den Golfschwung mitnehmen, sagt Clement. Schläger und Arme sollten von oben erst einmal von allein fallen, bevor man schließlich aktiv Gas gibt. Jetzt, wo ich es schreibe, klingt es komisch, aber in seinem Video wirkt es logisch und sieht auch sehr flüssig aus.
Wenn also die Kinder ihre drei Eimer konsumiert haben (und Papa zwei davon schnell eingesammelt hat, um selbst noch ein paar Bälle zu schlagen), geht es rüber zur Schaukel. Papa gibt Gas, natürlich nicht am höchsten Punkt, sondern schön in der fallenden Bewegung. Da kann ich auch gut die Ulnarbeugung einarbeiten.






