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Auf dem Weg zur 0

Maiwalds Mission - Folge 48

Unser Autor vernascht Pils und Kroketten und spielt zwei Birdies in Folge

Clubmeisterschaften in ganz Deutschland, und ich spielte nicht mit, denn eine Familienfeier im Südharz kam mir dazwischen, die ich nicht absagen konnte. Eine Cousine hatte gerade ihr Kind zur Welt gebracht, eine ältere Tante war frisch aus dem Krankenhaus entlassen. All das wollte begossen werden, und der Niedersachse versteht in Sachen rituellem Trinken keinen Spaß. Im Südharz wird traditionell ab Mittag Pils serviert, dazu gibt es Schnitzel mit Jägersoße und Kroketten. Nicht gerade die perfekte Ernährung für Leistungssportler wie mich. Aber abgelehnt habe ich es nicht. Kroketten sind meine heimliche Leidenschaft, doch damit darf ich meiner italienischen Frau natürlich nicht kommen.

Ich fuhr immerhin voller Euphorie in den Norden, denn noch am Morgen war ich in München-Eichenried gewesen. (Über den Kontrast zwischen einem so renommierten Golfclub und einem kurz vor dem Aussterben stehenden 2.000-Seelen-Harzort nahe der ehemaligen Zonengrenze sowie meinem Oszillieren zwischen diesen beiden Polen deutscher Wirklichkeit ließe sich eine eigene Geschichte schreiben, aber lassen wir das.) Der Pro Patrick Wolferstätter wollte mir seine Golfakademie zeigen, die mit allerlei Dingen aufwartet, die mir, so wie Kroketten, das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, vom Scope-System über das SAM Putt Lab bis hin zu Indoor-Trainingsmöglichkeiten für den Winter.

Immerhin wollte er auch neun Löcher mit mir spielen, um dabei mit mir zu plaudern und mir die tiefere Philosophie hinter seiner Golf-Akademie zu vermitteln. Wer konnte zu diesem verführerischen Angebot Nein sagen? Ich führte mich auch gleich standesgemäß ein, indem ich an der ersten Bahn, einem kurzen Par 3, mit dem Eisen 8 zu kurz blieb und der Ball, den ich nur wenige Sekunden zuvor laut vernehmlich auf »Titleist 2« getauft hatte, im Wasserhindernis verschwand. Was für ein rabenschlechter Schlag, und wie ich mich schämte. Doppelbogey.  

Danach aber drehte ich auf. Ich ließ ein Par folgen (der Birdie-Putt lippte aus) und schickte zwei Birdies hinterher. Zwei Birdies in Folge – das war mir seit Monaten nicht mehr gelungen. Auch an den folgenden drei Bahnen hatte ich Birdie-Putts aus vier bis sechs Metern, die alle schon mal kurz ins Loch schauten, bevor sie um den Rand kurvten und dort liegen blieben. (Ja, für mich sind auch beinahe fallende Putts ein Erfolg.) Was war mit mir los? Einerseits inspirierte mich das wirklich
erstaunliche Spiel von Patrick (vier Birdies und fünf Pars), zum anderen hatte er mir noch an der zweiten Bahn einen simplen Tipp gegeben: »Bei allen Schlägen unter 120 Meter mehr Schläger nehmen.« Natürlich kann ich mit allem Körpereinsatz ein Pitching-Wedge 120 Meter weit hauen, aber warum nicht eine gemütliche 9, eine 8 oder gar eine 7 nehmen? Das tat ich fortan und legte mit sanften, rhythmischen, gefühlt halben Schwüngen alle Bälle neben die Fahnen. Und sogar neben die richtigen Fahnen. Ich spielte plötzlich richtig gutes Golf.

Obwohl wir gar nicht über meinen Schwung sprechen wollten, brachte ich Patrick natürlich dennoch dazu. Er sagte, dass Ebenen-Hooker wie ich zum Pull neigen, und je mehr Gas sie geben, desto schneller kann die Schlagfläche nach links verkanten. Also: ruhiger schwingen, dadurch square an den Ball kommen. Und Birdies sammeln. Mein ordentliches Spiel war natürlich auch meinen Putts (13 auf neun Löchern) geschuldet, und dazu sagte Patrick Folgendes: »Du hast die beste Puttbewegung, die ich je bei einem Amateur gesehen habe – definitiv Tour-Niveau. Kompliment, wer da mit dir gearbeitet hat.«

Leider ist er verheiratet, sonst hätte er sofort einen Antrag von mir bekommen. Was jetzt die Philosophie der Golf-Akademie angeht, weswegen ich Patrick ja eigentlich getroffen hatte: Ich habe da nicht genau hingehört, mir rauschte nämlich immer noch das Blut in den Ohren von dem Lob im vorangegangenen Absatz. Ich werde berichten, wenn ich wieder ruhig durchatmen kann.