Unser Autor schlägt sein Pitching-Wedge mit Hilfe der Schwerkraft 150 Meter weit und muss eine Scheidung verkraften.
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Maiwalds Mission - Folge 40
Von Stefan Maiwald.
Ich habe das Geheimnis großartigen Golfs entdeckt. Denn ich habe einen todsicheren Weg gefunden, das Eisen 7 wie ein Tour-Pro 170 Meter weit zu schlagen und den Driver locker über 250 Meter. Ohne Anstrengung, ohne Schwungänderung, ohne besondere Bälle oder hypermoderne Titan-Schlägerkronen. Das Geheimnis? Sie müssen einfach nur Golf in 1.100 Metern Höhe mit viel Rückenwind spielen. So habe ich mein Wochenende verbracht: auf dem Golfplatz in Bad Kleinkirchheim in den Kärntner Bergen.
Meine Frau hat als Italienerin eine große Schwäche für alles Alpine, und Bad Kleinkirchheim, von allen Italienerin ob der Unaussprechlichkeit des vollen Namens nur »Bad« genannt, ist genau das, was sie sucht: Schnitzwerk, Trachtenmode und große Portionen Kaiserschmarrn.
Der Spaß fängt in »Bad« schon auf der Driving-Range an. Die Wiese vor den Abschlagshütten fällt so steil ab wie eine rote Abfahrtspiste, und auch ein mittelmäßig getroffenes Eisen 9 rollt nonchalant bis ans 150-Meter-Schild. Der Platz ist außerdem so angelegt, dass auf den meisten offenen Bahnen zumeist Rückenwind herrscht. Sprich: Der Club, der verwirrenderweise seit einigen Jahren nicht mehr GC Bad Kleinkirchheim, sondern GC Kaiserburg heißt, ist eine Wohltat fürs Selbstbewusstsein.
Dass ich also in diesen perfekten Bedingungen eine 81 und eine 79 gespielt habe, kann unter den gegebenen Umständen nur skandalös genannt werden. Die Erklärung: Mein Putter hat die Scheidung eingereicht. Ein halbes Jahr hat er es mit mir ausgehalten, länger als jeder andere zuvor. Treue Leser dieser Kolumne werden sich erinnern, dass ich im Januar eine Fastenwoche einlegte, diese auch wider jede Prognose der hämischen Kollegenschaft durchhielt und mir zur Belohnung einen Scotty Cameron »California«-Putter gönnte, der bronzen in der Sonne glitzert. Am 81er-Tag habe ich acht Putts aus ein bis zwei Metern verfehlt, was ich noch auf die zwar sehr guten, aber langsamen Grüns schob. Wichtigste Regel beim Golf: Schuld sind immer die anderen oder die Umstände. Diese Regel beherzigen Weltklasse-Pros übrigens genau so gut wie wir Amateure. Am zweiten Tag verschob ich vier Putts aus unter zwei Metern zum Par-Save und drei Putts aus unter zwei Metern zum Birdie. Das war dann doch ein Tag zu viel, denn Journalisten sagen: Two examples make a trend.
Das Erstaunliche an meinem österreichischem Putt-Debakel war, dass ich jeden 10- oder 20-Meter-Putt geschenkt hinlegte, aber aus ein bis zwei Metern den Ball mal links und mal rechts über die Lochkante schob. Immer schön getroffen, immer die richtige Geschwindigkeit, aber nichts fiel. Mein italienischer Schwiegervater war böse auf mich: »Mit deinem Handicap kannst du so nicht putten«, blaffte er. Auf Italienisch klang das genau so harsch wie in der deutschen Übersetzung.
Zurück in Grado, stellte ich mich mit fünf meiner etwa 50 Putter aufs Übungsgrün: einem Odyssey-Belly, einem Cleveland-Mallet, einem Odyssey-Mallet, einem Wilson-Putter aus den Sechzigerjahren und dem Scotty. Ich war der einzige Mensch in einem Radius von zwei Kilometern, denn es herrschten 40 Grad im Schatten, und das war selbst den Touristen in ihren Dreiviertelhosen zu prall. Also baute ich einen Übungsparcours auf und ließ die Modelle gegeneinander im Matchplay antreten. Drei Bälle aus einem Meter, drei Bälle aus zwei Metern, drei Bälle aus drei Metern. Doch die Putter machten sich offensichtlich lustig über mich. Ich versenkte mit allen Modellen drei von drei Bällen aus einem Meter, zwei von drei aus zwei Metern und einen von drei aus drei Metern (eine Statistik übrigens, mit der ich auf dem Platz sehr, sehr gut leben könnte).
Meine Putter haben sich also gegen mich verschworen. Sie leben ja auch zusammen in einem ausrangierten Tourbag, wo sie täglich ihre Köpfe zusammenstecken und Streiche gegen mich aushecken können. Mit all den bunten Schlägerhauben sieht das Ensemble aus der Ferne wie ein riesiger Blumenstrauß aus. Meine Frau will das hübsche Gebinde trotzdem nicht in ihrer Wohnung stehen haben.
Heute unternehme ich einen neuen Versuch mit den aufmüpfigen Puttern. Wenn sie wieder glauben, sich auf meine Kosten amüsieren zu können, schmelze ich sie ein und mache einen Wäscheständer aus ihnen.






