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Auf dem Weg zur 0

Maiwalds Mission - Folge 39

Unser Autor bekommt extrasteife Schäfte verpasst. Ob die zu seinem eher durchgeweichten Selbstbewusstsein passen?

Von Stefan Maiwald.

422 Kilometer an einem Tag fahren für das Versprechen, zwanzig Meter länger zu driven, ohne am Schwung herumzufummeln – würden Sie es tun? Natürlich würden Sie, und ich – na, Sie kennen die Antwort. Also fuhr ich zu unserem GJ-Schwungguru Ian Peek im GC Sigmaringen Zollern-Alb, der mir erstens seine neue Trainingshilfe vorstellte und mir zweitens erklärte, warum wir alle zwanzig Meter weiter driven können. Klingt wie die übliche Verkaufsmasche, doch Ian ist kein Heißluftgebläse. Als einer der ganz wenigen Golflehrer arbeitet er mit einer Kopplung aus »Scope« (dem modernsten Videosystem) und »Trackman« (dem modernsten Radarsystem, das Dutzende Parameter des Ballflugs misst). Und er hat in monatelangem Tüfteln – er ist so golfverrückt wie Sie und ich – ein paar interessante Dinge herausgefunden, die er inzwischen mit unzähligen Fallbeispielen belegen kann. Die Story ist ein bisschen zu komplex für diese Kolumne, denn sie verlangt Schaubilder und Tabellen, aber ich bastle gerade an einer Geschichte fürs Heft. Nur so viel: Die meisten von uns treffen den Driver viel zu sehr im Abschwung. Wie sehr? Zum Teil sogar mehr als unser Eisen 7. Wie trifft man den Driver mehr im Aufschwung und erzielt dadurch mehr Weite? Indem man den Ball sehr, sehr, sehr weit links platziert. Versuchen Sie einmal Folgendes: Nehmen Sie den Driver mit dem niedrigsten Loft, den Sie finden können. Balllage so weit links wie möglich. Hände deutlich hinter den Schlägerkopf. Schultern, Hüfte und Füße leicht nach rechts ausrichten, Schlägerblatt aber Richtung Ziel. Und Vollgas. Aber wieso niedriger Loft? Man liest doch immer, wir alle bräuchten mehr Loft auf dem Driver? Das stimmt nur bedingt. Wer den Ball im Aufschwung trifft, profitiert von niedrigem Loft. Ja, ich weiß, man kriegt es immer wieder genau umgekehrt eingetrichtert, aber ich sagte ja – ein komplexes Thema.

 

Einen Tag später war ich bei Mizuno in München beim Eisen-Fitting, denn Mizuno hat ein neues System namens »Swing DNA« entwickelt. Ein Mini-Computer wird am Schaft angebracht, der diverse Parameter misst, die mit herkömmlichem Fitting kaum herauszubekommen sind, etwa die Verwindung des Schlägers im Treffmoment. Dazu kommt wiederum »Trackman« zum Einsatz, das den Ballflug misst. Ich begrüßte »Trackman« wie einen alten Bekannten. Es schwieg eisig und spuckte Datenfluten aus.

 

Fitter Markus Fischer hatte eine gute und eine schlechte Nachricht für mich. Die gute Nachricht: Mein Eisen 6 bewegt sich nur 4 km/h langsamer als das Eisen 6 eines PGA-Tour-Spielers. Die schlechte Nachricht: Mein Ballflug ist 22 Meter kürzer. Da konnte etwas nicht stimmen. Und was war schuld? Mein mangelndes Selbstbewusstsein. Ich hatte mir seinerzeit bei Titleist die fehlerverzeihenden »AP2«-Eisen bestellt, weil ich mir die »MB«-Blades einfach nicht zugetraut hatte. Doch mit meinem hohen Ballflug sind Eisenköpfe, die dem Ball dank ihres niedrigen Schwerpunkts zu noch mehr Höhe verhelfen, genau das Falsche. Mizuno hat da wirklich ein wirklich großartiges Fitting-System erfunden, das ich nur weiterempfehlen kann (Anmeldung unter Tel. 089/45 05 01 11). Fazit von Fitter Fischer: Ich brauche Blades und obendrauf auch noch X-Stiff-Schäfte. Wow, ich bin mir nicht sicher, ob mein Selbstbewusstsein extrasteif ist.

 

Zum Thema »Trackman«, »Scope« und Co. noch eine Weisheit von Ian Peek zum Schluss: »Ich habe 40.000 Euro für Videosysteme, Radar und Trainingshilfen ausgegeben, und erst jetzt habe ich entdeckt, dass das effektivste Trainingsgerät ein Stück Kreide für 10 Cent ist.« Damit malt Ian eine Linie hinter den Ball, die Richtung Ziel zeigt. Slicer sollen den Schlägerkopf von innerhalb der Linie an den Ball bringen, Hooker von außerhalb. Das klappt bei ganz vielen Schülern besser als das Herumjonglieren mit Begriffen und Positionen. So einfach und so effektiv kann Golftraining sein.