Unser Autor wird von einem Schwungfehler quer durch sein Leben verfolgt. Und Texaner sind einfach die Härtesten
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Maiwalds Mission - Folge 37
Von Stefan Maiwald.
Am Wochenende hatte ich das erste Mal seit zwanzig Jahren wieder eine Pro-Stunde. Auf dem Tennisplatz. Meine Tochter hatte kurzfristig keine Lust, dazu zwingen wollte ich sie nicht (ich will ja nicht so enden wie Peter Graf), und die 40 Euro waren auch schon bezahlt. Der Trainer stand bereit, also stieg ich in den Ring.
Als 16-, 17-Jähriger war ich ein recht passabler Tennisspieler gewesen, was daran lag, dass ich ein Schuljahr in den USA verbrachte. Dort hatte man jeden Tag zwei Stunden Sport nach freier Auswahl – mit qualifiziertem Trainer und natürlich kostenlos. Ich lebte in einem 3.000-Seelen-Wüstenort in Texas, dennoch gab es für die 150 Schüler der High School zwei Tennisplätze. Wer mit 16 Jahren jeden Tag einen Sport zwei Stunden lang betreibt, wird irgendwann recht gut, selbst bei absolut durchschnittlicher Talentsegnung.
Bis heute bereue ich, nicht Golf gewählt zu haben, das ganz selbstverständlich ebenfalls zum Angebot gehörte, inklusive einem 9-Löcher-Platz. Dann hätte ich heute bestimmt schon die Null. Bilde ich mir zumindest ein. Aber zurück zum Tennis, und danach zurück zu meiner Tennisstunde. (Ja, heute geht es etwas kompliziert zu in dieser Kolumne, aber ich vertraue mal darauf, dass Sie am Ball bleiben.)
In Deutschland war es dann mit der Sportherrlichkeit vorbei, und erst mit Ende 20 nahm ich wieder einen Tennisschläger in die Hand. Es war deprimierend, denn ich traf keinen einzigen Ball mehr. Das heißt, ich traf ihn schon (immerhin das), aber ich haute ihn entweder ins Netz oder über den Begrenzungszaun. Es war etwas fundamental falsch in meinem Schwung, also ließ ich fortan lieber die Finger vom Tennis. Ich hatte ja seit kurzem Golf an der Backe, und ich wollte mir nicht gleich von zwei Sportarten meine Selbstachtung ruinieren lassen.
Also spielte ich dem Tennislehrer ein paar Bälle zu. Zwei flogen passabel, die nächsten zehn landeten entweder im Netz oder auf dem Gehweg, der für herkömmliche schlechte Schläge durch einen fünf Meter hohen Zaun abgeschirmt war. »Was ist los?« fragte ich. »Wo liegt der Fehler? Am Griff?« Schließlich hatte ich ja im Golf gelernt, dass der Griff eigentlich immer an allem schuld ist. »Nein, dein Griff ist in Ordnung. Aber dein rechtes Handgelenk knickt ein«, sagte der Tennislehrer. »Du löffelst, statt durch den Ball zu gehen!«
Anderer Sport, selber Fehler. Ein Tennislehrer sagt mir das Gleiche wie ein Golflehrer. Wird diese Unzulänglichkeit mich mein Leben lang verfolgen? Ich fürchte: ja. Eines Tages wird mir ein Literaturkritiker sagen: »Ja, Ihr Roman ist ganz gut gelungen, aber nicht wirklich groß, denn beim Formulieren ist Ihr rechtes Handgelenk zu weich. Sie löffeln beim Tippen!«
Und jetzt ab zur BMW Open. Pros beim Nichtlöffeln zusehen.
PS: Da fällt mir noch was ein. Mein texanischer Geschichtslehrer von damals, ein harter Bursche, aber inzwischen im Ruhestand, besuchte mich vor ein paar Jahren in Deutschland. In der Feinkostabteilung eines Kaufhauses, wo er ein paar Spezialitäten einkaufte (die später allesamt vom US-Zoll konfisziert werden sollten), tranken wir an der Bar ein Bier. Er zündete sich eine Zigarette an. Da kam ein Angestellter auf uns zu und sagte, Rauchen sei hier verboten. Oh, machte der Texaner, drückte sich die Zigarette – Aschenbecher gab es ja nicht – in der Handinnenfläche aus und verrieb die Asche in seiner Jeans.






