Unser Autor braucht dringend eine Ausrede, um im September keine 5.000 Euro zu verspielen
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Maiwalds Mission - Folge 22

Von Stefan Maiwald.
»Mit 25 ist es noch einfach, für ein Genie gehalten zu werden«, sagte Charles Bukowski einmal, »aber mit 45 muss man schon einiges dafür tun.« Er meinte natürlich das Schreiben, und er hatte recht. Mit 17 kann praktisch jeder einen Bestseller runterrotzen (siehe die aktuelle Diskussion um Helene Hegemann), aber mit 38 muss man hart arbeiten, um einen Roman zustande zu bringen, der von so vielen Leuten gelesen wird, dass man die Leasingrate seines Kombis bezahlen kann.
Charles Bukowski hat ganz sicher in seinem Leben nie einen Golfschläger angefasst, aber sein Satz trifft auch irgendwie auf unseren Sport zu. Genau mit 25 habe ich mit dem Golfen angefangen, und die meisten in meinem Club hielten mich bald für einen guten Spieler. Das war kein Wunder, denn noch um das Jahr 1997 herum, im Jahr Nummer eins des Tigers, war ein Golfer unter 60 in den meisten Clubs – zumal hier in Italien – eine seltene Erscheinung. Selbst als hoher Handicapper, mit der Gnade der späten Geburt gesegnet, konnte man den Ball an den meisten etablierten Spielern vorbeischlagen. (Und seien wir doch ehrlich – die meisten von uns bemessen den Wert eines Spielers nicht an seinem Handicap, sondern an der Länge seiner Drives.)
Jetzt bin ich 38. Das mit dem Roman dauert noch ein bisschen, und das mit dem guten Golf wird auch immer schwieriger. Unser neuer alter Pro, von denen ich Ihnen in loser Folge immer wieder berichten werde, brachte einen Haufen talentierter Teenager mit sich, die jetzt bei uns Mitglied sind und es sich auf der Range gemütlich machen. Meinem Revier. Diese jungen Longhitter bedrohen natürlich die alten Löwen wie mich.
Besonders der eine Bursche macht mir Kummer. Er ist 16, und am Sonntag hat er exakt 22 Eimer Bälle geschlagen. Der übliche Teenager, den wir ja alle aus jedem Club kennen, würde mindestens 21 davon mit dem Driver auf der Range verteilen, und nach jedem gelungenen Ball würde er sich umschauen, ob ihn auch alle gesehen haben. Dieser Bursche hingegen benutzte 18 von den 22 Eimern, um Pitches zwischen 50 und 100 Meter zu üben. Das ist sehr, sehr weise. Das ist sogar besser als meine Trainingsaufteilung.
Anschließend forderte er (!) mich zu einem Puttwettbewerb heraus. Nach 18 Löchern auf dem Übungsgrün waren wir All Square, und ich (!) erklärte das Match für unentschieden, um mir die Schmach einer Niederlage im Stechen zu ersparen. Nicht nur hat er ein höheres Handicap als ich, sondern er laboriert auch noch seit Monaten an einer verstauchten Hand, weil ihn ein Autofahrer in einer unübersichtlichen Kurve von seinem Motorroller geholt hatte. (Nein, ich war es nicht!)
Was unseren neuen alten Pro betrifft: Am Sonntag nahm er mich zur Seite und fragte mich, ob ich bereit sei für den September. »Na klar«, gab ich leichtfertig zurück und hatte keinen Schimmer, was er meinte. Bei ihm darf man aber nie zögern, sonst gibt es Ärger. »Gut«, sagte er, »wir spielen zusammen beim Campionato Italiano di Doppio«. Da wusste ich, wovon er sprach, und mein Herz sackte mir in die Hose: Die italienische PGA richtet einmal im Jahr ein Turnier aus, bei dem jeder Golflehrer mit einem seiner Elèven antritt. Es geht um nicht wenig Preisgeld, und jeder Maestro nimmt natürlich seinen besten Schüler mit. »Bester Schüler« ist nicht der mit dem niedrigsten Handicap, sondern derjenige, der potenziell die meisten Stableford-Punkte einheimsen könnte, denn die Amateure spielen bei dem Campionato im Stableford-Format. Gewertet wird dann die Summe aus dem Pro- und dem Amateur-Ergebnis.
Einmal mehr wird mir meine deutsche Staatsbürgerschaft zum Verhängnis. Italiener glauben – wie die Spieler in der Fußballmannschaft meines Schwagers –, ich sei ein emotionaler Eisblock, ein hervorragender Elfmeterschütze und demnach auch ein exzellenter Unter-Druck-Putter.
Andere würden sich über die Aufforderung meines Pros geschmeichelt fühlen, aber das muss man sich mal vorstellen: Ich könnte bei dieser Doppelmeisterschaft an der letzten Bahn über einem Ein-Meter-Putt stehen, der darüber entscheidet, ob mein Pro 5.000 Euro gewinnt oder nicht. Meine Güte, schon beim bloßen Schreiben dieser Zeilen bricht mir der Schweiß aus.
Meine Strategie bis September ist klar: Ich suche schon jetzt eine stichhaltige Ausrede und bin für Vorschläge dankbar.






